Ergebnisse der Mülltrennung in Bozen 2025
Anlässlich des Weltrecyclingtags (18. März) gibt die SEAB AG die Daten zur Abfallbewirtschaftung für das Jahr 2025 bekannt. Bei einer insgesamt stabilen Abfallproduktion stechen strukturelle Veränderungen bei der Textilsammlung und der Einfluss des Privatmarktes auf die kommunalen Statistiken hervor.
Die endgültigen Daten für das Jahr 2025 zeichnen ein Bild der Konsolidierung für die Abfallwirtschaft in der Landeshauptstadt. Die Gesamtabfallmenge in Bozen belief sich auf 53.376 Tonnen, was einer Pro-Kopf-Produktion von 501 kg entspricht – eine punktgenaue Kontinuität im Vergleich zu den 502 kg des Vorjahres. Die Quote der getrennten Müllsammlung erreichte 64,3 % (nach 65,2 % im Jahr 2024).
Die Analyse des Stadtrats und der „unsichtbare Markt“
Umweltstadtrat Marco Caruso lädt dazu ein, die Daten differenziert zu betrachten, insbesondere im Hinblick auf die Marktdynamik: „Wir bewegen uns nahe an der 65-Prozent-Schwelle. Es ist jedoch wichtig zu klären, dass die SEAB-Daten nicht die gesamte Menge des in der Stadt recycelten Materials abbilden. Ein erheblicher Teil der Abfälle – insbesondere Karton und andere wertvolle Materialien – wird direkt von größeren Unternehmen verwaltet, die diese zur Verwertung an private Akteure übergeben. Diese Stoffströme fließen nicht durch den öffentlichen Kreislauf und erscheinen daher nicht in den offiziellen Statistiken. Sie tragen jedoch konkret zur Abfallvermeidung und zur allgemeinen Nachhaltigkeit bei. Mit anderen Worten: Neben den offiziellen Zahlen existiert eine Art ‚unsichtbarer Markt‘ des Recyclings, der jeden Tag der Umwelt zugutekommt. Dies anzuerkennen ist entscheidend für ein vollständiges und reales Bild des Engagements unserer Stadt. Nicht alles schlägt sich in der Statistik nieder, aber alles trägt dazu bei, einen Unterschied zu machen.“
Analyse der einzelnen Abfallarten
Die Entwicklung der einzelnen Fraktionen spiegelt sowohl die Gewohnheiten der Bürger als auch strategische Entscheidungen des Unternehmens wider:
- Kunststoffverpackungen: 3.243 Tonnen (+5,2 % im Vergleich zu 2024)
- Glas: 5.641 Tonnen (+1,1 %)
- Bioabfall: 7.320 Tonnen (+0,8 %)
- Papier: 3.354 Tonnen (-7,2 %)
- Karton: 4.450 Tonnen (-1,1 %)
- Textilien: 289 Tonnen (-42,4 %)
Der Rückgang bei den Textilien (-42,4 %) ist das Ergebnis einer gezielten Entscheidung im Jahr 2025: die Entfernung der Altkleidercontainer von den Straßen. Aktuell erfolgt diese Sammlung ausschließlich über den Recyclinghof. Ziel dieser Maßnahme ist es, eine höhere Qualität des gesammelten Materials zu gewährleisten und Phänomene wie Vermüllung oder Plünderungen der Straßencontainer zu unterbinden.
Qualität und Infrastruktur
Trotz stabiler Mengen bleibt die Qualität der Materialien die größte Herausforderung. Verunreinigungen (insbesondere bei Kunststoffen) erfordern einen ständigen Einsatz des Unternehmens und eine aktive Mitarbeit der Bevölkerung. Der Recyclinghof Bozen bleibt ein zentraler Bezugspunkt; die SEAB und die Stadt Gemeinde Bozen arbeiten weiterhin gemeinsam an Lösungen zur Erweiterung und Optimierung der Infrastruktur. „Der statistische Rückgang in einigen Bereichen wie Textilien oder Karton deutet nicht zwangsläufig auf weniger Recycling hin, sondern spiegelt logistische Änderungen und Marktdynamiken wider“, erklärt Matthias Fulterer, Generaldirektor der SEAB. „Unser Ziel bleibt es, einen immer effizienteren Dienst zu garantieren und gleichzeitig das Bewusstsein zu schärfen: Jedes Kilo korrekt getrennter Müll ist eine Ressource für die Zukunft der Stadt. Doch der wichtigste Schritt findet bereits vorher statt: Abfälle vermeiden und bewusster konsumieren. Denn der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht.“